Silberohrpilz - Tremella fuciformis
Er sieht aus wie gefrorene Blütenblätter aus Glas. Zart, fast durchsichtig, weich wie Gel.
Und doch ist der Silberohrpilz - Tremella fuciformis - einer der funktional spannendsten Rohstoffe der modernen Naturkosmetik.
Bekannt ist er auch als Snow Mushroom, Silver Ear Mushroom, White Jelly Mushroom oder im Chinesischen als Bai Mu Er.
In der Kosmetik wird er unter dem INCI-Begriff Tremella Fuciformis Sporocarp Extract geführt.
Was ihn so besonders macht, ist nicht sein Aussehen - sondern seine Struktur.
Herkunft und Wachstum
Tremella fuciformis wächst in tropischen und subtropischen Regionen Asiens sowie in Teilen Mittel- und Südamerikas. Besonders verbreitet ist er in China und Taiwan.
In der Natur besiedelt er abgestorbenes Laubholz - allerdings indirekt. Er ist ein parasitärer Pilz und lebt in Verbindung mit einem anderen holzbesiedelnden Pilz. Diese komplexe Wachstumsform macht ihn ökologisch wie biologisch interessant.
Er bevorzugt warm-feuchte Klimazonen mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Kultivierung heute
Für kosmetische Anwendungen wird Tremella heute kontrolliert kultiviert.
Das Myzel wird unter sterilen Bedingungen auf pflanzlichen Substraten gezüchtet. So lassen sich Reinheit, Qualität und der Gehalt an Polysacchariden zuverlässig steuern - ein entscheidender Faktor für die Hautpflege.
Historischer und kultureller Hintergrund
Der Silberohrpilz wird in China seit Jahrhunderten geschätzt - sowohl als Lebensmittel als auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Er galt zeitweise als kaiserliche Delikatesse und wurde mit Vitalität und einem gepflegten Hautbild in Verbindung gebracht. In der TCM wird er traditionell als „befeuchtend“ beschrieben - ein Begriff, der dort für ausgleichende und nährende Eigenschaften steht.
Inhaltsstoffe - was steckt im Silberohrpilz?
Kosmetisch relevant sind vor allem seine wasserlöslichen Bestandteile:
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Polysaccharide - verleihen dem Pilz seine charakteristische gelartige Textur.
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Beta-Glucane - bestimmte Polysaccharide, die unter anderem in Pilzen vorkommen und im Zusammenhang mit Hautbarriere und Beruhigung untersucht werden.
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Aminosäuren - Bausteine von Proteinen, die zur natürlichen Feuchthaltefunktion beitragen können.
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Begleitstoffe mit antioxidativem Potenzial - in kleineren Mengen enthalten, abhängig von Extraktionsmethode und Herkunft.
Besonders interessant für die Hautpflege ist dabei der hochmolekulare Polysaccharid-Anteil.
Tremella in der Hautpflege
1. Hydration durch Struktur
Die Polysaccharide von Tremella fuciformis können große Mengen Wasser binden. In Formulierungen entsteht ein feines, viskoses Netzwerk auf der Haut - eine sogenannte Polysaccharid-Matrix.
Das kann:
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die Haut geschmeidiger erscheinen lassen
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feuchtigkeitsarme Haut optisch glatter wirken lassen
Wichtig ist eine sachliche Einordnung:
Tremella verändert keine Hautarchitektur. Die sichtbaren Effekte beruhen auf Hydration und einer feinen Filmbildung - nicht auf strukturellem „Auffüllen“.
2. Unterstützung der Hautbarriere
Die gebildete Polysaccharid-Matrix kann einen zarten Film auf der Hautoberfläche bilden.
Dieser kann helfen, den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) zu reduzieren - insbesondere in Kombination mit Lipiden oder okklusiven Komponenten.
Beta-Glucane werden zudem im Zusammenhang mit beruhigenden und barrierestärkenden Eigenschaften untersucht. Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch von Extraktqualität, Konzentration und Gesamtformulierung ab.
3. Textur mit Mehrwert
Tremella ist nicht nur funktional, sondern auch sensorisch besonders.
Sie verleiht Formulierungen eine weiche, seidige Viskosität – ohne die Schwere klassischer Gelbildner. Gerade in Reinigungsprodukten kann so ein gepflegtes Hautgefühl entstehen, ohne dass die Haut sich nach der Reinigung gespannt anfühlt.
Zwei Pilze mit unterschiedlichen Stärken: Tremella & Chaga
Während Tremella vor allem für Hydration und Hautgefühl steht, wird Chaga wegen seines antioxidativen Profils geschätzt.
In einer durchdachten Formulierung entsteht daraus eine Balance:
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Tremella unterstützt die Feuchtigkeitsbindung
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Chaga bringt antioxidatives Potenzial
- gemeinsam ergänzen sie die Formulierung und tragen zu einem sanften, gepflegten Hautgefühl bei
Gerade in einem Cleanser kann das helfen, die Haut bereits während der Reinigung vor unnötigem Feuchtigkeitsverlust zu bewahren.
Ein stiller Star
Ein besonderer Pilz für einen besonderen Cleanser
Tremella fuciformis ist ein milder Inhaltsstoff, der seine Eigenschaften über seine besondere Struktur und seine Fähigkeit zur Hydration entfaltet.
Er hat eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte erstreckt - und gleichzeitig eine sehr moderne Relevanz für die Hautpflege.
Aus dieser Faszination heraus habe ich ihn bewusst als eines der Herzstücke meines Cleansers gewählt.
Man könnte sich fragen: Warum einen so besonderen Inhaltsstoff in einem Cleanser verwenden, den man nach kurzer Zeit wieder abwäscht und der letztlich im Abfluss landet?
Für mich liegt die Antwort in der Gesamtformulierung. Ich kann mir Chaga Bloom ohne diese beiden Pilze nicht vorstellen. Tremella und Chaga ergänzen sich und tragen beide zu dem erfrischenden, gepflegten Hautgefühl und der besonderen Sanftheit des Cleansers bei.
Fachbegriffe - kurz erklärt
- Myzel: Das fadenförmige Geflecht eines Pilzes, das den eigentlichen Pilzkörper bildet und bei vielen Pilzen den Fruchtkörper hervorbringen kann.
- Substrate: Nährstoffhaltige Materialien, auf denen Pilze kultiviert werden und wachsen.
- Parasitärer Pilz: Ein Pilz, der in enger Verbindung mit einem anderen Organismus lebt und von diesem Nährstoffe bezieht. Bei Tremella fuciformis besteht in der Natur eine besondere Verbindung zu holzbewohnenden Pilzen.
- Polysaccharide: Langkettige Zuckerstrukturen, die große Mengen Wasser binden können.
- Beta-Glucane: Bestimmte Polysaccharide, die unter anderem in Pilzen vorkommen und deren mögliche Eigenschaften im Zusammenhang mit Hautbarriere und Beruhigung untersucht werden.
- Aminosäuren: Bausteine von Proteinen, die unter anderem Bestandteil der natürlichen Feuchthaltefaktoren der Haut sein können.
- Hochmolekular: Bezeichnet Moleküle mit einer hohen Molekülmasse. Bei Polysacchariden kann eine hohe Molekülmasse unter anderem ihre Viskosität und ihr Verhalten in wässrigen Lösungen beeinflussen.
- Hydration: Die Versorgung der Haut mit Wasser beziehungsweise die Erhöhung des Wassergehalts in den oberen Hautschichten.
- Viskosität: Beschreibt, wie zäh- oder dünnflüssig eine Flüssigkeit ist. Je höher die Viskosität, desto zähflüssiger ist eine Flüssigkeit.
- Polysaccharid-Matrix: Ein Netzwerk aus Polysacchariden, das Wasser binden und einen feinen Film auf der Hautoberfläche bilden kann.
- Feuchthaltefunktion: Die Fähigkeit bestimmter Stoffe, Wasser in der Haut zu binden und dadurch ihren Feuchtigkeitsgehalt zu unterstützen.
- Filmbildung: Die Bildung eines sehr dünnen Films auf der Hautoberfläche. Dieser kann unter anderem das Hautgefühl beeinflussen und dazu beitragen, den Wasserverlust zu begrenzen.
- Lipide: Sammelbegriff für Fette und fettähnliche Stoffe. In der Hautbarriere gehören dazu unter anderem Ceramide, Cholesterin und Fettsäuren. Sie tragen zur Stabilität, Flexibilität und Schutzfunktion der Haut bei.
- Okklusiv: Bezeichnet einen Stoff oder Bestandteil, der einen schützenden Film auf der Hautoberfläche bilden und dadurch den Wasserverlust reduzieren kann.
- Transepidermaler Wasserverlust (TEWL): Die Menge an Wasser, die kontinuierlich aus den tieferen Hautschichten durch die Haut nach außen gelangt und an der Oberfläche verdunstet.